Samstag, 29. April 2017 - 16:19 Uhr

Qualitätsmanagement

Beim langweiligen Herumstehen in der Warteschlange vor dem Umtauschschalter eines großen Möbelhauses  wegen der Rücknahme eines defekten Schrankteils fällt der Blick auf ein Plakat an der Wand.

Es soll über eine gefährliche Fehlkonstruktion informieren verbunden mit einer Rückrufaktion. Mehrere Personen erlitten nennenswerte Verletzungen bei Aufbau und Benutzung des Strandstuhls "Mysingö".

Sturz - und Einklemmgefahr sei in erheblichem Maße gegeben.

 

Offensichtlich wird die Menschheit immer trotteliger und ist nicht mehr in der Lage, sich in einen normalen, seit vielen Jahrzehnten gebräuchlichen, Liegestuhl zu setzen. Vielleicht insoweit nachvollziehbar, daß die fein- und grobmotorischen Fähigkeiten durch chronischen Bewegungsmangel tatsächlich kontinuierlich im Rückzug sind.

 

Die irrtümliche Annahme aber, daß die Haftungsübernahme für immer kleinere Kappillarbereiche des täglichen Lebens dasselbe sicherer oder am besten risikofrei machen könnte führt zu immer absurderen bürokratischen Auswüchsen.

 

Motto: Schuld hat immer der Andere.

 

Wen, bitte schön, könnte ich verklagen wegen der rücksichtslosen , egoistischen Ausbeutung und Verschmutzung unserer unumtauschbaren Welt?

 


Tags: Qualitätsmanagement Haftungsrecht Weltuntergang 

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Freitag, 21. April 2017 - 11:16 Uhr

Linie 3

Spätestens ab Ehinger Tor in Richtung Wissenschaftsstadt wird es immer eng im Bus. Ärger gibt es trotzdem selten.

Heute schon.

 

Zur Fahrkartenkontrolle steigen grundsätzlich zwei Kollegen ein, um  möglichst alle Schlupflöcher vorn und hinten abzudecken. Es muß schnell gearbeitet werden zwischen zwei Stationen, sonst macht das ganze keinen Sinn. Die Fahrzeit zwischen Ehinger Tor und altem Fritz ist in dieser Hinsicht besonders ergiebig, denn es bleibt genügend Zeit, jeden einzelnen gründlich zu durchleuchten.

Während sich der Bus nun an diesem Tag  der immer wahnwitzigeren Mutter aller Ulmer Baustellen nähert , auf der sich momentan verschiedene Brücken im Abriss- sowie Aufbaustadium befinden und uns in ohrenbetäubendem Lärm der Himmel in Form mehrerer schwebender Betonteile auf den Kopf zu fallen droht, werden zwei Personen dingfest gemacht, die sich Beförderungsleistungen durch die SWU erschleichen wollten.

 

Auf der mittleren Plattform versucht gerade ein Mensch mit Sieben-Tage-Bart und klapprigem Fahrrad, sich auf gebrochenem Deutsch herauszuwinden. Die Frage nach Identity Card kann oder will er nicht verstehen, zeigt ein nichtssagendes Stück Papier, schimpft laut, denn eigentlich sei er gerade auf dem Weg zum Busfahrer gewesen, um sich eine Fahrkarte zu holen. Warum man ihn denn jetzt nicht lasse. Bei all dem wilden Argumentieren und Gestikulieren fängt das Fahrrad immer wieder an, um und auf den Kontrolleur drauf zu fallen, weswegen dieser zunehmend fuchsig und ungehalten wird. Während sich hier weiterhin kein Kompromiss abzeichnet, beschäftigt im vorderen Teil des Busses ein junges Pärchen, etwas besser der deutschen Sprache mächtig, die "Beamtin im Vollzug". Man zeigt hier ebenfalls keinerlei Verständnis für derlei drastische Maßnahmen (Aufnahme der Personalien, Strafgebühr) , denn man habe ja sowieso nur eine Station fahren wollen. Das ganze zieht sich und die junge Frau wird ungeduldig:" Können Sie nicht schneller machen? Wir müssen hier raus!" Auch in diesem Konflikt kommt es zu keiner Einigung und die schlechte Stimmung sowie die Tonlage hier wie dort steigert sich von Station zu Station.

Die Beobachterin verlässt an der Haltestelle Oberer Hasenkopfweg  die Szenerie.

Der Bus fährt weiter in kompletter Besetzung Richtung Uni Süd.


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Sonntag, 16. April 2017 - 14:49 Uhr

Tabu

Das Fleisch am Arm bis auf die Knochen sichtbar, ohne Blut. Eine Wunde hervorgerufen durch den Abwehrkampf . Ein schneller Schnitt mit scharfem Messer.

Die Nerven und Muskeln des Kindes funktionieren noch. Es rennt auf die Eltern zu, schreit in ungewohnt tiefer, verfälschter Tonlage. Die Stimme gezeichnet durch die Verletzungen des Messers am Hals. Die Luftröhre nimmt in nicht bestimmungsgemäßer Weise freiwerdende Flüssigkeit auf, versucht , sie wieder auszustoßen, die Atmung zunehmend erschwert. Das Kind fällt in die Arme des Vaters, wird ohnmächtig. Die Körperfunktionen im unsichtbaren inneren Kampf noch aufrechterhaltend. Der junge gesunde Körper ist stark. Vielleicht zur Überraschung des Messerführenden.

 

Worte, die keiner hören will. Die niemandem zugemutet werden können.

 

Die Zumutung bleibt hängen. Verfängt sich im Neuronengeflecht des eigenen Großhirns.

 

 

 

 


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Montag, 3. April 2017 - 20:00 Uhr

Tretminen

Querwaldein - A. hat Angst. Vor was? Schlangen, Spinnen, wie alle Mädchen? - Trotz größtmöglicher Bemühungen : sie ist nicht zu beruhigen.

 

Nach 2 Stunden "Urwaldspaziergangs" ohne Weg und Steg stellt sich heraus: In Bosnien wagt keiner derart Todesmutiges, denn überall könnten unentdeckte Tretminen lauern.

Unser Erfahrungshorizont weitet sich in andere Richtungen. Nach unten schauen wir wenig.

 

Zuhause reißen die eh schon dünnen Nerven.  Kapitulation vor der Aussichtslosigkeit :

Die Endlosaneinanderreihung gleichartiger Turnschuhe (Conv. Gr. 38, gemäß offensichtlich momentan obligatem Modeerscheinungsbild) im Hausflur ein Paradebild fürs Werbemagazin. Wie Kaiserpinguine am winterlichen Südpol zusammengedrängt. Alt, neu, Tuzla, Ulm, ...wem gehört was? Bei drei jungen Damen im Haus schwer zu sagen. Und das ist nur die Spitze des Eisbergs. Wer ist in der Lage, jeden Tag zig Unterhosen auseinanderzudividieren ? Gewaschen, versteht sich.  Von Socken in hundertfacher Ausführung  ganz zu schweigen.


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