morbus globus

 

Juni / Juli 2016

 

Fußballeuropameisterschaft.

Deutschland ist weiter.

Ungarn ist weiter!

Tami freut sich wahnsinnig.

England verliert gegen Island.

Ungarn fliegt raus.

Tami ist stolz auf ihre Mannschaft.

 

Wir gucken zusammen Fußball. Das ist nett, auch wenn man sich, wie ich, nicht für Fußball interessiert.

Der italienische Nachbar leidet, wie die meisten Männer, an akuter Fußballpsychose. Das noch nicht entschlüsselte, aber zweifellos unentdeckt auf dem y-Chromosom schlummernde Fußballgen als vermutlich in grauer Vorzeit eingeschleustes mutiertes Erbgut löst momentan allenthalben einen Krankheitsschub erster Güte aus. Anlass ist die schlagartige Aktivierung der maßgeblichen Nervenleitbahnen als Folge der ständigen Medienpräsenz des Wettkampfgeschehens. Man könnte es bösen willens auch dahingehend deuten, die Hirnfunktion des limbischen Systems bei Männern sei auf einem bestimmten Entwicklungsstand hängengeblieben . Beim Anblick eines runden Gebildes wird automatisch rationales Denken ausgeblendet.

Jedenfalls bildet die Wahrnehmung und Aufschlüsselung von für den Normalmenschen (ohne y-Chromosom) nicht einordenbaren Bewegungsstrukturen auf dem Bildschirm den Katalysator für Gefühlsexplosionen in die eine oder andere Richtung. Im schlechten Fall führt das zu Gewaltexzessen extremster Art, wie wir auch diesmal wieder in den Nachrichten erfahren dürfen..

Nicht so bei uns. Paolo  springt zwar mehrmals aus dem Sessel wie ein Geysir und brüllt dabei wie eine Herde Affen, so daß man schon den zweiten Herzinfarkt befürchtet, beruhigt sich aber jedes mal schnell wieder. Vor allem der in des Nachbarn Augen positive Spielausgang sorgt für entlastenden Blutdruckabfall und ausgelassene Stimmung, sowie einen italienischen Autokorso.

Island versetzt später den brexitierten Engländern den zweiten unverhofften Fußtritt .